Blogbeitrag. 

Fondsgebundene Lebensversicherung - Wie sinnvoll ist das Produkt für deine Altersvorsorge?


Ach, die fondsgebundene Lebensversicherung...


Wer bei diesem Begriff nicht direkt Schmetterlinge im Bauch bekommt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Das dachte zumindest unsere Lisa. Zur Erinnerung: Die junge Akademikerin ist vor Kurzem in ihre erste eigene Wohnung gezogen und hat auf Empfehlung ihrer Eltern den Vermögensberater Heinrich kontaktiert, um sich von ihm beraten zu lassen (und hat dabei über 12.000€ an Provisionskosten bezahlt).


Da ihr die finanzielle Absicherung im Alter sehr wichtig war, wurde ihr empfohlen, fortan 50€ im Monat in eine fondsgebundene Lebensversicherung zu investieren. Der erfahrene Finanzexperte hat von „attraktiven Renditen“ und „Steuervorteilen“ gesprochen. Zudem würde eine Laufzeit von 40 Jahren Sinn machen, da sie ja erst mit 65 in Pension gehen würde und das Geld vorher nicht brauche. Schlussendlich unterschrieb sie den Antrag mit gutem Gewissen und der Hoffnung, das Thema somit erledigt zu haben, obwohl sie das Produkt inhaltlich nicht zu 100% verstanden hatte.


Einige Wochen später war Lisa mit ihrem guten Freund Michael verabredet. Michael ist 27, Softwareentwickler und kümmert sich selbst um seine Finanzen. Die beiden kannten sich bereits seit vielen Jahren und treffen sich auch heute noch regelmäßig zum gemütlichen Austausch. Als zufälligerweise das Thema aufkommt, erzählt Lisa ihrem Freund voller Stolz, dass sie sich endlich um ihre Altersvorsorge gekümmert hat. Doch zu ihrer Überraschung reagiert Michael schockiert auf diese Neuigkeit. „Diese Produkte haben viel zu hohe Kosten und sind nur dazu da, dass Provisionen verdient werden können!“, argumentiert er. Verunsichert aufgrund dieser Reaktion informiert sich Lisa genauer und überdenkt ihre Entscheidung. Eine Handlung, welche ihr in Zukunft fast 13.000€ ersparen wird (dazu später mehr).


Nun ja. Michaels Meinung ist mittlerweile keine Ausnahme mehr. Das Lieblingsprodukt vieler Versicherungsgesellschaften und Vermögensberater musste in den letzten Jahren viel Kritik einstecken. Doch was steckt wirklich dahinter? Was sind die Vor- und Nachteile? Und ist eine fondsgebundene Lebensversicherung die richtige Wahl, wenn es um deine Altersvorsorge geht? Diese und weitere Fragen werden wir in diesem Blogbeitrag beantworten.



Klassische vs. fondsgebundene Lebensversicherung


Zunächst sollten wir die fondsgebundene Lebensversicherung von ihrer klassischen Variante differenzieren…


Die klassische Lebensversicherung hat den Begriff „Lebensversicherung“ geprägt. Hierbei handelt es sich um eine langfristige Sparform (in den meisten Fällen zur Pensionsvorsorge), bei der der Versicherungsnehmer für einen bestimmten Zeitraum Geld in die Versicherung einbezahlt, um das Kapital inklusive Zinsen zu Pensionsantritt wieder ausbezahlt zu bekommen. Der „Versicherungsteil“ kommt daher, dass beim Ableben der versicherten Person das bisher einbezahlte Kapital zzgl. einer vorher festgelegten Ablebenssumme an die Hinterbliebenen ausbezahlt werden.


So weit, so gut. Das Problem dabei: Die Attraktivität dieses Produkts steht und fällt mit der Höhe der garantierten Zinsen und in Zeiten von Niedrig- oder sogar Negativzinsen hält sich die Begeisterung natürlich in Grenzen. Hier kommt die fondsgebundene Variante ins Spiel.


Entwicklung des Rechnungszinses der Lebensversicherung

Abbildung 1: Entwicklung des Rechnungszinses der Lebensversicherung (Quelle: asscompact.at)



Die fondsgebundene Lebensversicherung ersetzt den Garantieteil und investiert das Geld stattdessen in Investmentfonds (meist Aktienfonds). Wenn der Vertrag also ausläuft, werden die bis dahin erworbenen Fondsanteile verkauft und an den Versicherungsnehmer ausbezahlt. Der Ablebensschutz bleibt dabei während der gesamten Laufzeit weiterhin bestehen.


Hört sich doch eigentlich gar nicht so schlecht an, oder? Nun ja, der Teufel versteckt sich bekanntlich ja in den Details, aber fangen wir erstmal mit den Vorteilen an.



Vorteile der fondsgebundenen Lebensversicherung.


Geringer Eigenaufwand


Ein Hauptgrund, weshalb viele Menschen für ihre Pensionsvorsorge auf fondsgebundene Lebensversicherungen zurückgreifen, ist wohl der geringe Eigenaufwand. Ähnlich wie bei unserer Lisa hört die Arbeit bei der Vertragsunterzeichnung auf und ein Versicherungs- oder Vermögensberater kümmert sich um alles Weitere. Man muss sich somit nicht selbst mit dem (für viele sterbenslangweiligen) Thema befassen.

Rentenoption zu Laufzeitende

Ein weiterer Vorteil der fondsgebundenen Lebensversicherung ist die Rentenoption. Das bedeutet, dass man sich bei Laufzeitende aussuchen kann, ob das Kapital direkt in voller Höhe oder als lebenslange Rente (bis zum Tod) ausbezahlt werden soll. Die Höhe dieser Rente wird von der Versicherungsgesellschaft kalkuliert und ist abhängig von der Lebenserwartung (Sterbestatistiken) und dem Garantiezins. Verstirbt die versicherte Person früher als erwartet, behält sich die Gesellschaft das übrige Kapital ein. Lebt die Person hingegen länger als erwartet, muss die Versicherung dennoch bis zum Ableben weiterzahlen.

Steuerersparnisse

Der wohl am meisten umworbene Vorteil ist der ominöse Steuervorteil. Und tatsächlich existiert dieser (zumindest noch). Es fallen bei jeder Einzahlung 4% Versicherungssteuer an (d.h. bei 100€ würden nur 96€ investiert werden, wenn es keine sonstigen Gebühren geben würde), dafür sind anschließend sämtliche Gewinne steuerfrei (kein KESt). Man muss hier nur aufpassen, da es unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Nachversteuerung kommen könnte (mehr dazu hier).



Nachteile der fondsgebundenen Lebensversicherung.


Sehr hohe Produktkosten


Im Prinzip könnten wir bei diesem Punkt auch schon unser Fazit ziehen. Bei einer Versicherungsprämie in Höhe von 100€ werden tatsächlich weniger als 80€ gespart! Der Rest geht drauf für Steuern und diverse Gebühren. Aus diesem Grund wird bei den meisten Verträgen der Break-Even-Point* auch erst nach knapp 15 Jahren erreicht! Da können die Fondsrendite und der Steuervorteil noch so hoch sein, bei solchen Produktkosten fällt es schwer, zu glauben, dass es keine besseren Alternativen gibt. (Spoiler: Die gibt es!)


Sparprämie bei fondsgebundenen Lebensversicherungen

Sparprämie bei fondsgebundenen Lebensversicherungen

Abbildung 2 und 3: Sparprämie bei fondsgebundenen Lebensversicherungen (Eigene Darstellung)



Lange Bindung & keine Flexibilität


Natürlich macht es Sinn, dass man für die Pensionsvorsorge auch bis zur Pension dafür vorsorgt. Allerdings kann sich in 40 Jahren viel verändern, weshalb eine gewisse Flexibilität von Vorteil ist. Das ist jedoch etwas, was fondsgebundene Lebensversicherungen definitiv nicht haben. Aufgrund der hohen Produktkosten kannst du nach einigen Jahren nicht einfach entscheiden, für deine Altersvorsorge in andere Finanzinstrumente zu investieren (z.B. ETFs), da der Break-Even-Point noch nicht erreicht wurde. Und auch wenn, hättest du wertvolle Jahre verloren, in denen dein Kapital Gewinne erzielen hätte können. Hier einige Beispiele:

  • Die KESt wird 2022 Jahr abgeschafft (wodurch der Steuervorteil wegfallen würde) und du möchtest stattdessen in ETFs investieren? Kannst du machen, aber du würdest mit einem Minus aussteigen, da du den Break-Even-Point noch nicht erreicht hast.

  • Du möchtest nach 5 Jahren den Vertrag kündigen, weil du dringend Geld benötigst? Ok, allerdings stehen die Fonds gerade ungünstig und die Kosten sind auch noch nicht gedeckt, daher bekommst du nur einen Bruchteil deines einbezahlten Kapitals raus.

  • Nach 10 Jahren wird ein innovatives und besseres Vorsorgeprodukt auf den Markt gebracht und du möchtest lieber darin investieren? Die Versicherung: „Alles, was ich machen kann, sind 70% Bro“.


Abbildung erstellt mit imgflip.com


Ich denke, du weißt, worauf ich hinauswill. Da hilft es auch nicht, dass mehr als die Hälfte aller Lebensversicherungen frühzeitig und damit mit Verlust gekündigt werden (mehr dazu hier).


Aber genug theoretisches Blabla. Sehen wir uns mal eine reale Beispielrechnung an, wie eine fondsgebundene Lebensversicherung im direkten Vergleich zu Alternativprodukten abschneiden würde.



Beispielrechnung


Wir nehmen uns hier Lisa als Beispiel. Sie möchte für die nächsten 40 Jahre 50€ im Monat sparen. Option A ist ihre fondsgebundene Lebensversicherung. Option B ist ein Fondssparplan. Option C ist ein ETF-Sparplan. Der Fairness halber prognostizieren wir für alle Produkte eine jährliche Rendite von 6%. Der einzige Unterschied wäre dementsprechend die Kostenstruktur (und die KESt). Das Ergebnis würde wie folgt aussehen:


Vergleichsrechnung zwischen Lebensversicherung, Investmentfond und ETF.

Abbildung 4: Vergleichsrechnung zwischen Lebensversicherung, Investmentfond und ETF. Die Kosten wurden wie folgt angenommen: Lebensversicherung mit 21,20% einmalige Kosten und 1,47% laufende Kosten; Investmentfond mit 5% Ausgabeaufschlag und 1,47% laufende Kosten; ETF mit 1,58% einmaligen Kosten und 0,24% laufende Kosten; Angaben wurden realen Produktwerten entnommen.


Wenn wir also davon ausgehen, dass alle 3 Produkte gleich gut performen (ein sehr schmeichelhafter Vergleich, da die meisten Fonds es nicht schaffen, den Vergleichsindex zu schlagen; mehr dazu hier), würde der Steuervorteil der fondsgebundenen Lebensversicherung nicht ausreichen, um die Alternativprodukte zu schlagen. Der reine Fondssparplan würde knapp 2.000€ mehr Gewinn erzielen, während es beim ETF sogar über 12.000€ wären! Der Grund: Die Kosten der fondsgebundenen Lebensversicherung sind einfach zu hoch.



Fazit: Keine Empfehlung!


Alles in allem können wir fondsgebundene Lebensversicherung nicht für die Altersvorsorge (oder für jegliche Vorsorge) empfehlen. Die Einfachheit, die Rentenoption und die KESt-Befreiung sind zwar nicht zu unterschätzende Vorteile, jedoch reicht das bei Weitem nicht aus, um die Nachteile abzudecken. Zum einen sind die Produktkosten viel zu hoch, sodass die Performance von Alternativprodukten trotz Steuervorteil nicht erreicht werden kann. Zum anderen bindet man sich mit dem Produkt sehr langfristig und ist dabei wenig flexibel. Hinzu kommt, dass der Ablebensschutz für viele Menschen überflüssig sein wird und eine reine Kostenposition darstellt. Ich meine, wozu braucht ein Single-Student einen Ablebensschutz in der Pensionsvorsorge? Es wäre unserer Meinung nach sinnvoller, für die Altersvorsorge auf günstigere und flexiblere Produkte zu setzen (z.B. ETFs) und für die Absicherung der Hinterbliebenen auf Einzelprodukte zurückzugreifen.


* Break-Even-Point = Punkt, ab dem die Kosten abgedeckt und Gewinne erzielt werden

* Es handelt sich hierbei um keine Anlageempfehlungen.



Hratsch Ohanjan

17.01.2022


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